Geschichte des SC Hürth

Über 90 Jahre Leidenschaft für den Wassersport.

1930 — Zwei Vereine, ein Schwimmbad

Das alte Hürther Schwimmbad am Brabanter Platz wurde 1929/30 vom langjährigen Hürther Amtsbaumeister Albert Lüttgenau im modernen, sachlich-funktionalen Stil der 20er-Jahre errichtet und steht seit 1987 unter Denkmalschutz. Bau und Unterhaltung eines derart großzügigen, zu Wettkampfzwecken geeigneten Hallenbades waren für eine Landgemeinde damals ganz außergewöhnlich — möglich wurde es der Gemeinde Hürth nur durch die Steuereinnahmen der Knapsacker Großindustrie.

Mit der feierlichen Einweihung der Schwimmhalle am 24. April 1930 nahmen gleich zwei Schwimmvereine ihre Arbeit auf: die Schwimmabteilung „Sparta" im Ballspielclub BC Hürth 1919 und die „Freie Wassersportvereinigung Groß-Hürth", aus der später die „Wasserfreunde Hürth" hervorgingen. Beide Vereine teilten sich anfangs die wenigen wöchentlichen Übungsstunden im neuen Bad — der Beginn einer über drei Jahrzehnte parallel verlaufenden Vereinsgeschichte, die erst 1966 wieder zusammenfinden sollte.

Schwimmverein Sparta Hürth

Betreut wurde die neue Schwimmabteilung von Josef Rohde, Patenverein war der SSC Sparta Köln unter Michel Hollmann. 1933 trennte man sich einvernehmlich vom Ballspielclub, da die wachsende Abteilung organisatorisch zu groß geworden war — es entstand der selbständige Schwimm-Verein „Sparta" Hürth e.V. Unter Vorsitzendem August Stein und Sportwart Willy Kämmerer maß sich der junge Verein bald mit der deutschen Spitzenklasse: Europameister Ewald Riepschläger, Olympiasieger Jonny Weiß und weitere Nationalschwimmer gaben sich in Hürth die Klinke in die Hand. Frieda Schutt gewann dreimal in Folge die Gaumeisterschaft über 200 m Brust, Josef Langen wurde mehrfach Gaumeister im Kunstspringen. 1939 stand mit der 4×200-m-Bruststaffel eine aussichtsreiche Mannschaft für die erste Deutsche Meisterschaft bereit — der Kriegsbeginn verhinderte den Start, und von 1939 bis 1945 fielen 34 Vereinsschwimmer.

Nach dem Krieg baute man mit aller Energie neu auf: Bereits 1948 startete die erste Mannschaft wieder zu Wettkämpfen in Hannover und Bremen. In dieser Zeit reifte mit Hans Hirsch ein außergewöhnliches Talent heran — 1953 wurde er Deutscher Meister über 100 m Freistil, in der Hallensaison 1953/54 zusätzlich Hallenmeister über dieselbe Distanz, ausgebildet von Trainer Hans Clemens „Bela" Wolff. In seinem Windschatten erzielten weitere Hürther Schwimmer überregionale Erfolge.

Wasserfreunde Hürth

Die Freie Wassersportvereinigung Groß-Hürth widmete sich zunächst der Ausbildung der zahlreichen Nichtschwimmer und stellte bereits 1931 die ersten Rettungsschwimmer für den Rettungsdienst in Rodenkirchen. 1933 wurde die Vereinsarbeit durch die nationalsozialistische „Gleichschaltung" jäh unterbrochen — erst 1945 riefen ehemalige Mitglieder um den späteren Vorsitzenden Wilhelm Giechau den Verein neu ins Leben. Schon ein Jahr später nahm man wieder an Schwimmfesten teil, unter anderem in Düsseldorf, Wuppertal, Köln und Bonn. Der Verein trat dem Deutschen Schwimmverband bei und nannte sich fortan „Wasserfreunde Hürth, Verein für Schwimm- und Kanusport".

Um auch die Kanufahrer der Gemeinde zu erfassen, gründeten die Wasserfreunde 1951 eine eigene Kanuabteilung, die noch im selben Jahr dem Deutschen Kanuverband beitrat — die Wurzel der heutigen Kanuabteilung des SC Hürth. Zunächst stand reiner Wandersport im Vordergrund: mit dem Faltboot die Romantik der Heimat vom Wasser aus zu erleben. Ab 1952 folgten bereits Auslandsfahrten nach Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam, verbunden mit Freundschaften zu belgischen und holländischen Familien.

1966 — Die Fusion zum Schwimm-Club Hürth

Nach ersten vorsichtigen Annäherungen ab 1960 trafen sich die Vorstände beider Vereine am 10. Mai 1966 unter Vermittlung des DSV-Vizepräsidenten Hermann Henze im „Jägerhof" Hürth und bildeten eine Startgemeinschaft. Am 7. November 1966 lösten sich Sparta Hürth und Wasserfreunde Hürth nach 36-jähriger eigenständiger Geschichte formal auf und gründeten gemeinsam den Schwimm-Club Hürth 1930 e.V. — Verein für Schwimm- und Kanusport. Erster geschäftsführender Vorstand: Johannes Langen (Vorsitzender), Mathias Fischer und Heinz-Josef Kraft (Stellvertreter), Rudi Weyers (Geschäftsführer), Heinz Conrad (Schatzmeister), Fred Glaß (Sportlicher Leiter) und Peter-Josef Hemmelrath (Jugendwart). Der neue Verein startete mit rund 500 Mitgliedern.

Die Jahre danach waren geprägt von stetigem Wachstum: 1967 erschien erstmals eine Vereinszeitschrift (ab 1968 als „Hürther Wasserspritze"), die Lehrschwimmbecken in Efferen (1967) und Fischenich (1969) wurden eröffnet, und am 4. März 1968 wurde das 1.000. Mitglied registriert. Zum 40-jährigen Bestehen 1970 zählte der Verein bereits 1.255 Mitglieder — rund die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. 1977 kam mit dem zweiten Hürther Hallenbad (sechs Bahnen) zusätzliche Trainingskapazität hinzu; auch der neu entstandene Otto-Maigler-See wurde vom Verein begrüßt, wenngleich ein Naturgewässer ein Freibad nie ganz ersetzen konnte. Unter den Jugendwarten Bernd Räcke sowie Peter und Manfred Nagel entwickelte sich in dieser Zeit eine breite außersportliche Jugendarbeit mit Ferienfahrten bis nach Schweden, Holland und an die Nordsee.

Geschichte des Wasserballspiels

Wasserball entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunderts aus einer Art „Rugby im Wasser", gespielt in englischen Flüssen und Seen — verankerte Ruderboote dienten anfangs als Tore. 1870 legte der Londoner Schwimmverband erste Regeln für Hallenbäder fest; ein Treffer galt, sobald der Ball mit beiden Händen am Beckenrand abgelegt wurde. Mit der Einführung des von John Trudgen aus London mitgebrachten effizienteren Schwimmstils — dem Vorläufer des heutigen Kraulschwimmens — und den daraus entstandenen „Schottischen Regeln" wandelte sich das Spiel von einer Rugby-Variante zu einer eher fußballähnlichen Sportart: Tore aus einem Käfig, Treffer durch Werfen, Angriffe nur gegen ballführende Spieler.

Während sich die USA am rugbyartigen „amerikanischen Stil" orientierten, setzten sich in Europa zunehmend die „Schottischen Regeln" durch — Deutschland und Österreich entschieden sich dafür bereits 1894. Um die Jahrhundertwende wurde Wasserball als erste Mannschaftssportart überhaupt ins olympische Programm aufgenommen; Großbritannien gewann 1900 in Paris die erste olympische Goldmedaille.

In Erinnerung: Bernd Räcke

1958, im Alter von 10 Jahren, wurde Bernd Räcke Mitglied im Schwimmclub „Sparta", aus dem 1966 der SC Hürth hervorging. Ab 1964 begann er seine Arbeit für den Verein zunächst als Trainer, 1969 dann als Jugendwart; er war maßgeblich an der Vereinszeitschrift „Wasserspritze" beteiligt und krönte sein Engagement von 2001 bis 2007 als Vorsitzender. Von 1967 bis 2011 war er in verschiedensten Positionen im Vorstand aktiv und engagierte sich zudem als Kampfrichter sowie beim Schwimmbezirk und im DSV. Bernd Räcke verstarb im Alter von 73 Jahren nach längerer Krankheit — mit ihm verlor der SC Hürth einen Freund und Förderer, der sich sein Leben lang für den Verein und seinen Schwimmsport eingesetzt hat.

Wachstum und Entwicklung

Über die Jahrzehnte wuchs der SC Hürth von einem reinen Schwimmverein zu einem Mehrspartenverein heran. Neue Abteilungen wurden gegründet: Wasserball, Kanu, Tauchen und Masters Schwimmen erweiterten das Angebot und lockten neue Mitglieder aus der gesamten Region.

Das Internationales Masters Schwimmfest

Seit Jahrzehnten veranstaltet der SC Hürth das Internationale Masters Schwimmfest, das sich zu einer der bekanntesten Veranstaltungen in der Masters-Schwimmszene in Deutschland entwickelt hat. Das Jubiläum der 50. Ausgabe im Jahr 2026 ist ein besonderer Meilenstein in der Vereinsgeschichte.

Heute

Mit fünf aktiven Abteilungen, modernen Trainingsanlagen in De Bütt, am Lehrschwimmbecken Fischenich und am Otto Maigler See sowie einer lebendigen Gemeinschaft blickt der SC Hürth auf eine stolze Geschichte zurück — und mit Zuversicht in die Zukunft.

1930 Einweihung der Schwimmhalle, Gründung der Vorläufervereine Sparta und Wasserfreunde Hürth
1933 Sparta wird eigenständiger Schwimm-Verein
1945 Neubeginn der Wasserfreunde Hürth nach dem Krieg
1951 Gründung der Kanuabteilung bei den Wasserfreunden
1966 Fusion zum Schwimm-Club Hürth 1930 e.V.
~1970er Tauchabteilung wird gegründet
~1976 1. Internationales Masters Schwimmfest
2026 50. Internationales Masters Schwimmfest — goldenes Jubiläum